Peitz um 1786

Die Dammzollstraße - Lebensnerv einer Stadt

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Historie
Beschreibung
Fiskalische Funktion
Damm- und Deichselzoll
Zollabfertigung im 19. Jhd.

Autoren: Christoph Malcherowitz und Jörg Ostmann

Diese Veröffentlichung kann auch als Druckschrift mit allen Quellenangaben bezogen werden. Besuchen Sie hierzu unseren OnlineShop


1. Historie der Dammzollstraße

Seit alters her lag Peitz an einer alten Fernhandelsstraße. Alle Waren, die aus dem Sächsischen über Bautzen und Spremberg nach Cottbus und weiter nach Frankfurt transportiert wurden, mussten über die Peitzer Zollstelle geleitet werden, deren erste Erwähnung in das Jahr 1367 fällt.

Diese Handelsstraße teilte sich hinter Cottbus. Ein Arm führte über Fehrow nach Lieberose, der andere zog sich von Cottbus über Peitz in Richtung Lieberose. Kurz vor Lieberose trafen beide Straßenzüge wieder aufeinander. Fehrow und Peitz besaßen jeweils eine Zollstätte. Die dort eintreffenden Waren und Handelsgüter wurden einem gewissen Hebesatz, dem sogenannten Zoll, unterworfen. Im Jahre 1362 kam es wegen der beiden Straßenarme zum Streit. Der Rat der Stadt Wittichenau schlichtete, indem er bekannte "dass bey 20 Jahren und darüber, wer zu Kothebus quam gevarn in die Mark, dass der mochte zu der Vere oder Picze zu varn, wo er wollte".

Auf Betreiben der Herren von Cottbus stellte Herzog Balko II. von Schweidnitz am 25. Oktober 1367 in Löbau ein Straßenprivileg aus, in dem diese wahlweise Nutzung der Straße über Fehrow oder Peitz wieder aufgehoben wurde. Es wurde festgelegt, dass nur noch die Straßenverbindung von Cottbus über Peitz nach Lieberose als "öffentliche Straße" galt. Die Benutzung der Straße über Fehrow wurde fremden Wagen fortan verboten. Nur den Cottbuser Bürgern, den Bewohnern der Cottbuser Herrschaft und den Cottbuser Markt- und Fischerwagen war deren Befahren gestattet. Die vorhandene Zollstelle, an der bisher Zoll- und Geleitabgaben entrichtet werden mussten, wurde von Fehrow nach Cottbus verlegt.

Da es wegen der Transportwege der Waren weiter Unstimmigkeiten gab, bestätigte am 25. November 1371 Kaiser Karl IV. das 1367 erlassene Straßenprivileg in Bautzen. Die Straße nach Fehrow war nur noch für den Lokalverkehr der Cottbuser Kaufleute zugelassen und wurde für alle anderen Handelstreibenden gesperrt. Der Fernverkehr und Transithandel wurde durch Cottbus über Peitz geleitet.

von Soldaten begleiteter Wagenzug

Durch diese endgültige Festlegung durch den Kaiser wurde das bisherige Gewohnheitsrecht und die Abgabenentrichtung geändert. Mussten die Kaufleute vor der Neuregelung, wenn sie über Cottbus nach Peitz fuhren, in beiden Städten Zoll entrichten, so hatten sie danach in Cottbus und Peitz den Zoll zu entrichten und zusätzlich in Cottbus das Brückengeld zu zahlen, das zuvor nur in Fehrow entrichtet worden war. Für die Dammzollstraße bestand spätestens ab diesem Zeitpunkt ein "Zollstraßenzwang", der auch gegenüber Widerspenstigen durch den Landvogt der Lausitz und die Herren von Cottbus mit Gewalt durchgesetzt wurde.

Kaufleute die mit ihren Fuhrwerken von Cottbus nach Frankfurt zogen, wurden auf ihrem Weg nach Peitz von bewaffneten Soldaten begleitet. Sie erhielten Schutz vor Wegelagerern und anderem Diebesgesindel, die in den langsam fahrenden Kaufmannszügen eine leichte Beute sahen. Für diesen Schutz mussten sie den sogenannten Geleitzoll entrichten.

Für die Peitzer Stadtbevölkerung erwuchs durch diese endgültige Festlegung der Handelsstraße ein großer Vorteil. Denn die Kaufleute, die mit den verschiedensten Waren unterwegs waren, hielten sicherlich ihre Waren auch in Peitz feil, bevor sie weiterzogen. Dadurch wurde die Stadtbevölkerung mit allen notwendigen Sachen versorgt und die Handwerker und Handeltreibenden in Peitz konnten mit den fahrenden Kaufleuten ihre Geschäfte machen.

2. Beschreibung der Dammzollstraße

Die Dammzollstraße zog sich früher, bei der Maustmühle beginnend, an den Teichen entlang, vorbei am Hammerwerk und folgte dann der heutigen Dammzollstraße bis in Höhe der Hauptstraße. Hier rechts abbiegend wurde das Cottbuser Tor passiert. In Höhe des Marktplatzes bog sie in Richtung Lieberose ab, durchquerte das Lieberoser Tor und endete in Höhe der heutigen Gaststätte "Stadt Frankfurt". Sie hatte eine Gesamtlänge von 1.192 1/2 Ruten, was einer Länge von ca. 4.496 Metern entspricht, wobei insgesamt 5 Brücken überquert werden mussten.

früherer Verlauf der Dammzollstraße

Man darf sich diesen Weg nicht als eine Straße im heutigen Sinne vorstellen. Die Straßen des 14. Jahrhundert waren, abgesehen von Knüppel- oder Steindämmen, so gut wie unbefestigt. Es gab keine Entwässerung der Straßen, so dass sie sich bei Regen oder Tauwetter nicht selten in Schlammwüsten und unwegsames Gelände verwandelten, was den Warentransport zwischen den einzelnen Städten erschwerte oder sogar unmöglich machte. Eine einheitliche Straßenbreite wie heute gab es nicht. War eine Straße stark durch den Handelsverkehr frequentiert, konnte es passieren, dass sie sich auf eine Breite von sage und schreibe 40 Metern verbreiterte, wie beispielsweise der alte Markgrafenweg, der eine Schneise durch die neumärkischen Wälder zog. Die Dammzollstraße war anfänglich, auch wenn sie Teil einer Fernstraße war, vermutlich nur ein unbefestigter Handelsweg. Erst ab der Zeit als der Eisenhammer im 16. Jahrhundert seine Produktion aufnahm und Schlacke als Abfallerzeugnis der Eisenproduktion anfiel, wurden die Schlaglöcher der Dammzollstraße damit verfüllt. Bewuchs auf der Dammzollstraße wurde zu Anfang des 17. Jahrhundert durch den in Peitz ansässigen Heidereiter Georg Polak und die hier dienstpflichtigen Landleute beseitigt, so dass kein Gestrüpp oder abgebrochene Äste die Fuhrwerke, Kutschen und zu Fuß Reisenden behinderten.

Spätestens ab dem 9. Mai 1843 war die Dammzollstraße auf einer Länge von ca. 1020 Ruten (ca. 3.845 Meter) von der Maustmühle bis hinter den Schlagbaum (Höhe des heutigen Schützenhauses) durchgehend mit Eisenschlacke befestigt. Der Fahrdamm hatte eine Breite von ca. 9,5 Metern. Vom Schlagbaum, an dem sich im 19. Jahrhundert die Zollstelle befand, bis zum Cottbuser Tor war die Fahrbahn auf einer Länge von 36 Ruten (ca. 136 Meter) gepflastert und hatte eine Breite von ca. 4,7 Meter. Vom Cottbuser Tor bis zum Lieberoser Tor war die alte Zollstraße auf einer Länge von 78 1/2 Ruten gepflastert und hatte eine Breite von ca. 5,6 Metern. Vom Lieberoser Tor bis in Höhe der heutigen Gaststätte "Stadt Frankfurt" war die Zollstraße noch einmal 58 Ruten lang gepflastert (ca. 219 Meter) und hatte eine Breite von ca. 4,7 Metern.

Auffällig ist, dass die gepflasterte Straße innerhalb der beiden Festungstore breiter war als die jeweils gepflasterten Straßenstücke vor und hinter den Stadttoren. Auf der gesamten Strecke der Zollstraße von der Maustmühle bis zum Cottbuser Tor befanden sich insgesamt fünf Brücken. Drei dieser Brücken, die Brücke über das Walkmühlenwasser, die Brücke über den Neuendorfer Teichabzugsgraben und die Malxebrücke waren aus Holz, die Brücke über den Stadtgraben und die Brücke vor dem Cottbuser Tor waren "massiv gewölbt". Die Malxebrücke hatte damals eine Länge von ca. 13,2 Metern und eine Breite von ca. 5,7 Metern. Sie bestand aus drei Jochbögen, die jeweils auf fünf Pfeilern ruhten. Die Brücke über den Stadtgraben war ca. 4,4 Meter lang und hatte ein Breite von ca. 5 Metern.

Im Frühjahr 1846 wurde die Dammzollstraße von der Cottbuser Vorstadt (ab dem heutigen Kreuzungsbereich Dammzoll-, Kraftwerkstraße) bis in Höhe des Schlagbaums durch G. Armin aus Peitz im Auftrag des Magistrats gepflastert. Armin sollte für diese Arbeiten 195 Taler erhalten, da jedoch bei der Bauabnahme durch die Abnahmedeputation Baumängel festgestellt wurden, musste Armin vor Ort erscheinen und er "versprach vor Ort die Baumängel" abzustellen. Er erhielt nur 145 Taler ausgezahlt, denn 50 Taler wurden als Rücklage einbehalten, bis die Mängel abgestellt waren.

3. Fiskalische Funktion der Dammzollstraße - oder: der Lebensnerv einer Stadt

Die Dammzollstraße als Handelsstraße hatte ab dem 14. Jahrhundert eine fiskalische Funktion, denn es musste an der entsprechenden Zollstelle der Geleitzoll für alle Waren und Personen entrichtet werden. Der Geleitzoll wurde u.a. für die Bereitstellung von bewaffneten Reitern oder Fußknechten als Schutz vor Räuberbanden erhoben. Ebenso konnten unter gewissen Umständen Strafgelder erhoben werden. Diese Abgaben verschafften dem jeweiligen landesherrlichen Souverän eine gesicherte Einnahmequelle. Später wurden diese Einnahmen auf die Stadt oder andere Pächter, die dafür eine Pachtgebühr entrichten mussten, übertragen. So zum Beispiel am 24. Mai 1742, als Johann Friedrich Peckolt das Amt Peitz mit seinen 18 Dörfern zur Pacht erhielt.

Reise-Tarif mit handschriftlichem Zusatz: "für das Rathaus zu Cottbus"

Im Jahre 1660 wurde die Akzise (eine Verbrauchsteuer auf fast alle Grundnahrungs- und Genussmittel sowie auf Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs) als Steuer für die Städte und die Kontribution (eine direkte Grund- und Personalsteuer des "platten Landes") durch Kurfürst Friedrich Wilhelm nach holländischem Vorbild in Brandenburg eingeführt. Neben ihr kamen noch die Ziesen aus dem 16. Jahrhundert und die Lizente aus der Zeit des 30-jährigen Krieges zur Anwendung.

Die Akzise wurde grundsätzlich auf sämtliche Handels- und Transportgüter erhoben, unabhängig davon, ob diese Erzeugnisse im Inland gewonnen oder hergestellt oder, ob diese Waren in die Kur- und Neumark eingeführt wurden. Dass das damals ein recht kompliziertes und mitunter unübersichtliches und ungerechtes Behandeln der Waren und der Handelstreibenden war, liegt auf der Hand. Es lässt sich anhand einiger Zahlen belegen und illustrieren. Der "Accise - Tarif für Berlin und sämtliche Chur - und Neu - Märkische Städte" aus dem Jahr 1766 umfasste zur damaligen Zeit 1556 Hauptpositionen, in denen sämtliche Waren, Erzeugnisse, Transportmittel und Tiere enthalten waren, die der Akzise unterlagen. Da diese Auflistung der Waren jedoch zu ungenau war, fügte man 2104 Unterpositionen ein, in denen die jeweiligen Waren genauer beschrieben wurden.

Beispiel Ente:
     große wilde Ente  Stück 3 pf
     Krick - Ente      Stück 2 pf
     Türkische Ente    Stück 6 pf
     Zahme Ente        Stück 1 pf

Zudem gab es für die Waren und Erzeugnisse 34 verschiedene Klassifizierungen in Größe, Menge und Gewicht. So wurde z. B. Butter in den Handelsgrößen Achtel und Fäßgen (Fässchen), Bäume in Schock, Branntwein in Eymer und Quart, Gerber - Wolle in Stein gehandelt und erfasst.

Akzisetarif von 1769 - Klick für größeres Bild

Im 18. Jahrhundert, dem Jahrhundert des Merkantelismus, diente die Akzisekontrolle und -erhebung jedoch nicht nur der Steuereintreibung, sondern des Schutzes und der ganz gezielten Unterstützung der inländischen Wirtschaft. Dies erreichte man einerseits dadurch, dass das Verbringen (also die Einfuhr) und der Handel bestimmter ausländische Produkte verboten wurde. Andererseits wurden durch die Erhebung der Akzise diese Produkte so verteuert, dass ein Handel mit ihnen in der Kur- und Neumark nicht mehr wirtschaftlich lohnend war. Inhaltlich enthielt der "Accise - Tarif" 288 Verbote, die die unterschiedlichsten Waren betrafen, jedoch auch 65 Befreiungen von der Akzise. Dies galt vor allem für Waren, die in der Kur- und Neumark nicht produziert wurden, wie zum Beispiel "astronomische Instrumente für die Academie der Wissenschaften". Durch die Akziseerhebung konnte das Konsumverhalten der Verbraucher beeinflußt werden, indem Erzeugnisse, die in Mode kamen, entsprechend verteuert wurden, so dass sich Nachfrage und Angebot regulierten. Zur Veranschaulichung folgt hier ein Ausschnitt aus dem Akzisetarif von 1769 unter Angabe der Akzisesätze in der rechten Spalte.

Der Magistrat in Peitz erhielt am 24. Juli 1792 durch eine Circularorder die Anweisung "das Spiegel die in der Manufactur in Neustadt an der Dosse produziert und im Lande abgesetzt werden sollen, werden als eine eigentlich zum Luxus gehörige Waare angesehen und beim Import mit einem Groschen pro Thaler - Wert belegt". Dieser Betrag wurde neben dem gewöhnlichen Zollgefälle erhoben.

Die Akzise wurde beim Einfahren in die Stadt am jeweiligen Stadttor vom Torschreiber erhoben. Die beiden Torschreiber in Peitz bewohnten jeweils am Lieberoser und am Cottbuser Tor ein sogenanntes "Torschreiberhaus". Das Torschreiberhaus am Cottbuser Tor war massiv erbaut und insgesamt 25 Fuß lang und 20 Fuß breit. Es beherbergte eine Stube, eine Kammer und eine Küche. Das Torschreiberhaus am Lieberoser Tor war ein Fachwerkhaus und insgesamt 38 Fuß lang und 24 Fuß breit. Dem Torschreiber standen eine Stube, eine Kammer und eine Küche zur Verfügung. Er musste sich, anders als am Cottbuser Tor, wo die Wache in einer separaten Wachstube untergebracht war, das Haus mit der Torwache teilen, denn sie bewohnte ebenfalls eine Stube und eine Kammer. Sämtliche in die Stadt kommenden Waren wurden visitiert und verzollt. Es läßt sich nur erahnen, wie mühevoll diese Tätigkeit für den Zöllner, aber auch für den Kaufmann oder Handelsreisenden war. Nach erfolgter Verzollung erhielt die jeweilige zollpflichtige Person eine Zollquittung über die entrichteten Abgaben.

Der Magistrat von Peitz achtete darauf, dass bei der Zollerhebung keine Unregelmäßigkeiten vorkamen. So wurde im Jahr 1744 der damalige Pächter Amtsrat Peckolt bei der Neumärkischen Kammer in Küstrin verklagt, da er von einem sächsischen Reisenden für drei Scheffel Roggen auf einem zweispännigen Wagen 4 Groschen und 7 Pfennig erhoben hatte, obwohl er nur 2 Groschen 1 Pfennig hätte vereinnahmen dürfen.

1805 erhielt der Magistrat vom Rat Pappritz aus Züllichau ein Schreiben, indem er aufgefordert wurde, den Inhalt jedermann bekannt zu machen. Anhang des Schreibens war eine "Cabinets - Ordre" König Friedrich Wilhelm III., in der dieser befahl, den bisherigen "Auftreibe-, Kauf- und Verkaufs - Zoll", "die Handlungs - Accise", "Uebertrag" und "Quittungs - Geld" nicht mehr zu erheben. An die Stelle der sechs Abgaben trat nun die sogenannte "Viehmarkts - Accise". Durch sie sollten die Viehmärkte der Neumark entlastet und der Viehhandel vereinfacht und gefördert werden, da das alte umständliche Abgabensystem dazu geführt hatte, dass viele Viehhändler und -käufer die Zölle nicht entrichtet hatten. Auch in Peitz sollte dadurch der Handel auf dem Viehmarkt belebt werden.


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© Dr.-Ing. Frank Knorr     Letzte Änderung 24.10.2003