Peitz um 1786

Streifzug durch die Peitzer Geschichte von den Anfängen bis zum 18. Jahrhundert

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Ur- und Frühgeschichte
Erste urkundliche Erwähnung
Kauf durch die Brandenburger
Exklave Cottbus/Peitz
Stadt u. Dammzollstraße im 16. Jhd.
Festungsbau 1559-1562
Peitz im 30jährigen Krieg
Peitz bis zum Jahr 1701

Autoren: Christoph Malcherowitz, Jörg Ostmann und Markus Agthe

Diese Veröffentlichung kann auch als Druckschrift mit allen Quellenangaben bezogen werden. Besuchen Sie hierzu unseren OnlineShop


1. Ur- und Frühgeschichte (von Markus Agthe)

Für die meisten Leser ist es sicher schwer vorstellbar, dass in dem Gebiet um Peitz schon seit mehreren tausend Jahren Menschen leben. Das Wissen darüber verdanken wir nicht dem geschriebenen Wort. Wir erfahren es durch die Gegenstände, die die damalige Bevölkerung achtlos weggeworfen oder absichtlich vergraben hat, und durch die Überreste der verfallenen Siedlungen oder die Friedhöfe. All diese Dinge, die als sogenannte Bodendenkmale in Form von Scherben, Steinwerkzeugen, Metallresten, Bodenstrukturen und anderem mehr unter der Erdoberfläche bis heute erhalten geblieben sind, geben dem Fachkundigen Auskünfte über das Leben unserer Vorfahren.

Erste Spuren menschlicher Tätigkeit sind in unserer Region aus der Altsteinzeit (etwa 11000 bis 9600 v. Chr.) bekannt. Es handelt sich um wenige Überreste von Rastplätzen altsteinzeitlicher Jäger und Sammler, die sich auf Sandhorsten und Randhöhen der Spree- und Malxeniederung, so bei Drachhausen und Fehrow, erhalten haben. Erkennbar sind diese Stellen an den dort liegenden Feuersteinsplittern, die als Abfall bei der Herstellung von Steingeräten anfielen. Nur selten kann man die Geräte - klingenförmige Messer oder Pfeilspitzen - finden. Die Umweltbedingungen waren damals völlig anders als heute. Es war eine Zeit, als nach dem Abschmelzen des letzten Inlandeises Verhältnisse ähnlich denen der nordischen Tundra herrschten. Trotz des in unseren Augen unwirtlichen Klimas konnte man, vor allem wegen der erfolgreichen Jagd auf Wildpferde, Rentiere und kleinere Tiere, überleben.

Mit fortschreitender Erwärmung in den darauffolgenden Jahrtausenden, in der heute so genannten Mittelsteinzeit (ca. 9600 bis 4500 v. Chr.), setzte sich eine immer stärkere Bewaldung durch. Der Mensch musste sich, um zu überleben, den neuen Gegebenheiten anpassen. Es waren neben der schon vorher betriebenen Sammeltätigkeit vor allem die Jagd auf Auerochse, Hirsch, Reh, Wildschwein u. a. sowie in verstärktem Maße der Fischfang (schon mit Angel, Netz und Reuse!) in den gewässerreichen Niederungen, die die Ernährung sicherstellten. An der Siedlungsweise änderte sich im Vergleich zur altsteinzeitlichen Periode kaum etwas, war man doch nach wie vor dazu gezwungen, dem Wild als Hauptnahrungsquelle schnell folgen zu können. So bestimmten weiterhin aus Zelten oder Hütten errichtete Rastplätze das Bild, die vielleicht auch schon länger - etwa für einen Sommer - genutzt wurden. Eine Vielzahl solcher Plätze ist von den Dünen in den Flussniederungen und von deren Rändern bekannt, so beispielsweise aus Bärenbrück, Drehnow, Fehrow, Grötsch, Neuendorf und Peitz.

Vor etwa 6500 Jahren lernten die Menschen unserer Region eine Wirtschaftsform kennen, die sich schon viele Jahrhunderte zuvor im Mittelmeerraum entwickelt hatte. Es waren die Haustierhaltung und der Getreideanbau, die unabhängig vom Jagdglück machten und so vielleicht etwas einfacher den täglichen "Broterwerb" sicherstellten. Mit dieser neuen Wirtschaftsform ging einher, dass der Mensch sesshaft wurde. Er baute nun feste Häuser aus Holz. Da die naturräumlichen Gegebenheiten für Ackerbau bei uns nicht sehr günstig sind, scheint die Besiedlung in dieser Jungsteinzeit genannten Periode (ca. 4500 bis 2200 v. Chr.) nur sehr spärlich gewesen zu sein. Überreste von Siedlungsstellen sind z. B. in der Drachhausener und Grötscher Gemarkung bekannt. Dort sind neben den schon bekannten Feuersteinabfällen und -geräten auch Scherben von den in der Jungsteinzeit erstmals hergestellten Tongefäßen zu finden.

Als man vor etwa 4000 Jahren lernte, aus Kupfer und Zinn Bronze herzustellen, begann eine neue, heute nach dieser Metalllegierung Bronzezeit benannte Periode (2000 bis 600 v. Chr.) Die klimatischen Bedingungen und die Weiterentwicklung der Technik erlaubten eine effektivere Landwirtschaft. Dies war die Voraussetzung für einen Anstieg der Bevölkerungszahl, der sich in einem recht dichten Netz von Siedlungsstellen, die wir uns als kleine Gehöftgruppen vorstellen müssen, widerspiegelt. Solche Siedlungen bestanden im gesamten Peitzer Umland und auch im Gebiet der heutigen Peitzer Altstadt. Errichtet wurden die Gebäude nach wie vor an den Niederungsrändern von Spree und Malxe, aber man begann jetzt auch, entlang von kleinen Bachläufen niederungsferne Bereiche zu besiedeln. Ebenso häufig wie die Siedlungen sind uns die Friedhöfe jener Zeit überliefert. Es gibt fast keinen Ort in der Umgebung von Peitz, in dessen Gemarkung nicht wenigstens ein Gräberfeld der sog. Lausitzer Kultur, wie die bronzezeitliche Periode auch genannt wird, bekannt ist. Wir wissen durch archäologische Ausgrabungen, z. B. in der "Kleinen Heide" von Neuendorf, wo sich heute das Kraftwerk Jänschwalde befindet, recht gut über den Aufbau der Gräber Bescheid. Es handelt sich um Bestattungen, bei denen die Überreste der verbrannten Toten in Tongefäßen in den Boden gegeben wurden. Zu diesen Urnen stellte man häufig noch Tassen, Schalen und Töpfe (sogenannte Beigefäße), die mit Speisen und Getränken gefüllt waren, um den Toten die Reise ins Jenseits zu ermöglichen.

In den darauffolgenden Jahrhunderten änderten sich die wirtschaftlichen Bedingungen nicht wesentlich. In der Metallurgie war allerdings ein Fortschritt zu verzeichnen - man begann nun, aus dem in den Niederungen reichlich vorhandenen Raseneisenerz Eisen zu schmelzen. Dorfstellen der Eisenzeit (600 v. Chr. bis 0) sind aus verschiedenen Gemarkungen bekannt. Sie befinden sich vielfach an den gleichen Stellen wie die bronzezeitlichen Ansiedlungen (z. B. in Fehrow und Schmogrow). Auch die Friedhöfe wurden mitunter weiter genutzt. Die Gräber enthielten die Urnen mit den verbrannten Knochen der Toten. Dazu wurden oft, manchmal in beträchtlicher Anzahl, Beigefäße gestellt. Ein solcher Friedhof wurde in der Gemarkung des bereits überbaggerten Ortes Klein Lieskow von Archäologen untersucht.

Nach dieser Zeit mit einer relativ dichten Besiedlung folgten mindestens zwei Jahrhunderte, für die keine Bodenfunde nachweisbar sind. Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass damals die gesamte Niederlausitz weitgehend unbesiedelt gewesen ist. Erst aus dem 3./4. Jahrhundert n. Chr. sind wieder einige Siedlungsstellen der Germanen bekannt, so etwa bei Drachhausen, Fehrow und Groß Lieskow. Aus der gleichen Zeit stammt ein Grabfund, offensichtlich die Bestattung eines unverbrannten Toten, von Turnow. Als Beigaben erhielt dieser Verstorbene ein Tongefäß und Bernsteinperlen mit ins Grab.

Das Stichwort "Völkerwanderung" ist wahrscheinlich vielen bekannt. Auch an unserer Region ist sie nicht spurlos vorübergegangen. Aus bisher nicht völlig geklärter Ursache suchten die hier ansässigen Germanen ab dem Ende des 4. Jahrhunderts weiter westlich gelegene Gebiete auf. Es scheint danach wiederum für einige Jahrzehnte keine Besiedlung gegeben zu haben. Erst ab dem 7. Jahrhundert kamen aus Südosten und Osten Slawen in die Niederlausitz. Die Gegend um Peitz blieb aber nach den jetzigen Erkenntnissen auch in dieser Zeit (7. bis 12. Jahrhundert) weiterhin unbesiedelt.

Im 12. und 13. Jahrhundert änderte sich das Bild. Nachdem die Lausitz seit 1136 dem deutschen Staat angehörte, setzte eine planmäßige Besiedlung dieses Landstrichs durch aus dem Westen zugewanderte deutsche Siedler ein. Gemeinsam mit der einheimischen slawischen Bevölkerung wurden Dörfer und auch Städte gegründet und der Wald zur Anlegung von Feldern gerodet. Fast alle Dörfer bestehen in ihrer ursprünglichen, z. T. nur unwesentlich erweiterten oder veränderten Form bis heute. Das mittelalterliche Peitz ist nur noch schwer erkennbar, da hier der Festungsbau des 16./17. Jahrhunderts entscheidende Veränderungen mit sich brachte. Die alten Stadtstrukturen haben sich aber, wie neueste Untersuchungen zeigen, im Untergrund teilweise erhalten, so dass wir vielleicht eines Tages die Lebensverhältnisse des mittelalterlichen Peitz nachzeichnen können.

Damit sind wir am Ende unseres Rundganges durch die Jahrtausende angekommen. Anfang des 14. Jahrhundert beginnt mit der urkundlichen Erwähnung von Peitz (1301) die geschriebene Geschichte der Stadt.

2. Erste urkundliche Erwähnung

Verkaufsurkunde vom 03.08.1301

Peitz findet erstmalig in einer Verkaufsurkunde, die am 3. August 1301 in Dahme ausgestellt wurde, urkundliche Erwähnung. In dieser verkaufte Theoderich der Jüngere, Landgraf von Thüringen, Markgraf des Ostens und der Lausitz die Grenzmark Lausitz für 6.000 Mark in Silber an den Erzbischof Burchard von Magdeburg. In ihr sind neben Peitz 23 weitere Städte, Burgen und Ortschaften genannt, die somit ebenfalls ihre erste urkundliche Erwähnung feiern können.

In allen bisherigen Veröffentlichungen, die sich auf die Ersterwähnung bezogen, wurde immer nur von "Pizne" oder "Bizenne" gesprochen. In der Originalurkunde aber wird Peitz als: "Pizne opidum et castrum" bezeichnet, also: "Peitz Stadt und Burg".

Von der abgebildeten Originalurkunde wurde im 14. Jahrhundert eine Abschrift angefertigt, bei der dem Verfasser ein folgenschwerer Fehler unterlief: er vergaß den Zusatz hinter dem Wort "pizne", so dass sich eine lange Diskussion über das Alter des Peitzer Stadtrechts entspann. Durch die jetzt vorliegende Urkunde kann nachgewiesen werden, daß Peitz bereits 1301 als Stadt verkauft wurde.

Neben dieser Verkaufsurkunde gibt es eine weitere Urkunde, die am gleichen Tag in Dahme ausgestellt wurde. In dieser belehnt Erzbischof Burchard von Magdeburg Theoderich den Jüngeren mit seiner zuvor dem Erzbischof verkauften Grenzmark Lausitz.

Warum kam es zu diesen beiden Verträgen? Der deutsche König Adolf führte gegen Friedrich den Freidigen, einem Bruder Theoderichs, Krieg. Theoderich unterstützte seinen Bruder im Kampf und lief somit Gefahr, als Reichsrebell betrachtet zu werden, was den Verlust seiner Ländereien zur Folge gehabt haben können. Durch den Verkauf und die sich anschließende Belehung wollte er aus dem Verhältnis als reichsunmittelbarer Fürst ausscheiden und Vasall des Erzstifts Magdeburg werden. Die Verträge wurden jedoch nie rechtswirksam, da die staatsrechtlich erforderliche Lehnsauflassung der Lausitz durch Theoderich vor dem deutschen König infolge des Kriegszustandes zwischen dem Reich und dem Markgrafen nicht zustande kam.

Ab diesem Zeitpunkt hatte die Lausitz und somit auch die Stadt eine unruhige und wechselvolle Geschichte vor sich, denn über das Land regierten ständig wechselnde Landesherren. Von 1323 - 1353 war Peitz und die Lausitz im bayrischen Besitz, da König Ludwig der Bayer die Lausitz erworben hatte. Peitz und die Lausitz geriet 1353 unter sächsische Herrschaft, unter der sie 15 Jahre verblieb, um schließlich 1368 unter böhmische Herrschaft zu fallen.

3. Die Erwerbung Peitz durch die Brandenburger

Belehnung des Nürnberger Burggrafen Friedrich von Hohenzollern mit der Mark Brandenburg auf dem Konstanzer Konzil 1417Am 30. April 1415 wurde der Hohenzollerfürst Friedrich VI. in Konstanz im Rahmen des Konstanzer Konzils mit der Mark Brandenburg durch König Sigismund belehnt und trat seine Regentschaft als Friedrich I., Markgraf und Kurfürst von Brandenburg an.

Im gleichen Zeitraum wurde der Rektor der Prager Universität, Jan Hus, obwohl er einen ihm freies Geleit zusichernden Schutzbrief besaß, in Konstanz als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dies war u. a. eine Ursache für den Ausbruch der Hussitenkriege (1419 - 1435), von denen auch Peitz betroffen war. Durch die wiederholten Hussiteneinfälle in die Lausitz stellten sich am 28. Dezember 1431 die Schenken Heinrich und Albrecht von Landsberg, die seit 1418 Pfandinhaber von Peitz waren, im Vertrag von Spandau unter kurfürstlichen Schutz.

Landvogt Johann von Polenz, der die Lausitz 1422 von König Sigismund gekauft hatte, lehnte diesen Schutzvertrag ab. Er befürchtete, dass Peitz durch diesen Vertrag über kurz oder lang in den Herrschaftsbereich der Brandenburger gelangen würde. Da sich die Schenken von Landsberg jedoch weigerten, diesen Vertrag zu beenden, schloss Polenz in der Nähe der Burg Stolpen mit Abgesandten des Herzogs von Sachsen ein Bündnis, dessen Ziel die Rückeroberung von Peitz und die Beendigung des Bündnisses war. Am 08. August 1436 eroberte der sächsische Hauptmann Querfurt nach einer Belagerung mit ca. 160 Mann die Burg Peitz und Landvogt Polenz zog feierlich in die Stadt ein.

Schenk Heinrich von Landsberg wandte sich an seinen Schutzherrn, den brandenburgischen Kurfürsten und bat ihn um Hilfe. Dieser schickte den Johanniterordensmeister Hans von Waldow als Fürsprecher zum Landvogt nach Peitz. Polenz erkannte, dass er sich einen Krieg mit dem mächtigen brandenburgischen Nachbarn nicht leisten konnte und erklärte sich bereit, die Burg wieder an Schenk Heinrich zurückzugeben, wenn dieser ihn als seinen Herrn und des Kaisers Amtmann anerkennen würde.

Mittelalterliche Landsknechte1438 starb Johann von Polenz und sein Bruder Nickel von Polenz übernahm die Vormundschaft über die beiden unmündigen Söhne des Verstorbenen. Da König Albrecht gestorben war, entbrannte ein langer Kampf um die böhmische Krone im Reich. In dieser Zeit versuchten sowohl die Sachsen als auch die Brandenburger, ihre Machtsphäre zu vergrößern und zu festigen. Dem brandenburgischen Kurfürsten Friedrich II. gelang es am 11. August 1442 durch geschickte Finanzdiplomatie, die Geldverschreibung ("Pfandbrief", Anm. d. Verf.) von Schenk Heinrich von Landsberg zu erwerben . Durch diesen Vertrag wurde er zum rechtmäßigen Pfandinhaber. Kurz darauf erschienen brandenburgische Reiter vor den Stadttoren von Peitz und nahmen Burg und Stadt für den Kurfürsten in Besitz. Schenk Heinrich wurde als Vogt eingesetzt und mit der weiteren Verwaltung der Vogtei Peitz beauftragt.

Nickel von Polenz wandte sich erneut in der Hoffnung an die Sachsen, dass sie ihn bei der Wiedergewinnung der Vogtei Peitz unterstützen würden. Diese waren jedoch nicht geneigt, wegen Peitz mit den Brandenburgern Krieg zu führen, so dass Polenz den Status quo akzeptieren musste. Somit befand sich die Stadt Peitz ab dem Jahre 1442 in brandenburgischem Besitz.

4. Brandenburgische Exklave Cottbus / Peitz

Der Königliche Preussische Anteil an der Niederlausitz im Jahre 1783 - Klick für großes Bild1448 erwarb Kurfürst Friedrich II. die Herrschaft Cottbus. Im gleichen Jahr gelang es ihm, die Lausitz im sogenannten Lübbener Kaufvertrag (29. September 1448) von den Gebrüdern Polenz zu erwerben. Diese händigten ihm den Majestätsbrief aus, durch den der Kurfürst de jure zum rechtmäßigen Besitzer der Grenzmark Lausitz wurde. Er ließ sich daraufhin in den Städten Lübben, Guben, Forst, Sorau, Spremberg und Luckau huldigen.

Nach dem Tod König Albrecht II. tagte der Landesausschuß der böhmischen Stände, an dessen Spitze Georg von Kunstadt und Podiebrad stand. Dieser forderte die Rückgabe der Lausitz. Da jedoch das Land innerlich zerrissen war, konnte er erst 1458, als er zum König gewählt worden war, diesen Gedanken wieder aufnehmen. Da die Mark Lausitz immer noch böhmisches Kronlehen war, verweigerte der König die Zustimmung zu dieser Erwerbung und forderte die Rückgabe der Lausitz unter Rückzahlung des Kaufgeldes. Darauf folgten längere Verhandlungen, teilweise unter Androhung von Krieg und Gewalt, die im sogenannten Gubener Friedensvertrag vom 05. Juni 1462 endeten. Resultat des Friedensvertrages war, dass das Haus Brandenburg die vor dem Lübbener Kaufvertrag erworbenen Besitzungen in der Lausitz behielt, die Lausitz jedoch unter Erstattung des Kaufgeldes wieder herausgeben musste. Somit verblieben die Herrschaft Cottbus, die Vogtei Peitz, die Ländchen Teupitz und Bärwalde sowie der Hof Groß - Lübben bei den Brandenburgern und wurden zur brandenburgischen Exklave in der böhmischen Lausitz.

5. Beschreibung der Stadt und der Dammzollstraße im 16. Jahrhundert

Die Stadt hatte sich nordöstlich und nordwestlich der Burg angesiedelt. Alte Knüppeldämme befinden sich noch heute in der Lutherstraße und in der Wilhelm - Külz - Straße in ca. 1,5 m Tiefe. Das damalige Stadtbild entsprach nicht dem heutigen, sondern alle Straßen waren wahrscheinlich in Richtung Burg ausgerichtet, die eine beherrschende Stellung einnahm.

Die obere Gerichtsbarkeit übte grundsätzlich der Landvogt aus, das heißt, er war Ankläger und Richter in einer Person. Somit entschied er über Leben und Tod. Der Stadt selbst oblag die untere Gerichtsbarkeit, die vom Rat der Stadt wahrgenommen wurde. Der Zeitpunkt der Verleihung des Stadtrechts ist bis heute nicht nachweisbar. In einem Ratsrechnungsbuch aus dem Jahre 1545 werden zwei Stadttore und Zugbrücken genannt. Archäologische Grabungen am Lieberoser Tor ergaben, dass bereits im Mittelalter ein Stadttor vorhanden war und die Stadt durch eine Umwallung oder Stadtmauer geschützt war.

Verlauf der Dammzollstrasse auf einer Karte vom 09.05.1843 - Klick für grosses BildPeitz lag seit alters her an einer alten Fernhandelsstraße. Alle Waren, die aus dem Sächsischen über Bautzen und Spremberg nach Cottbus und weiter nach Frankfurt transportiert wurden, mussten über die Zollstelle in Peitz geleitet werden, deren erste Erwähnung in das Jahr 1367 fällt. Die Zollstraße führte früher an der Maustmühle beginnend an den Teichen entlang, vorbei am Hammerwerk, folgte dann der heutigen Dammzollstraße bis in Höhe der Hauptstraße. Hier rechts abbiegend wurde das Cottbuser Tor passiert. In Höhe des Marktplatzes bog sie in Richtung Lieberose ab, durchquerte das Lieberoser Tor und endete in Höhe der heutigen Gaststätte "Stadt Frankfurt". Sie hatte eine Gesamtlänge von ca. 4,5 km, wobei insgesamt 5 Brücken überquert werden mussten.

Da es wegen der Transportwege der Waren immer wieder Streit gab - jede Stadt war daran interessiert, Handelswaren über ihre Zollstelle zu leiten, da dies eine sichere Einnahmequelle war - wurde 1371 durch kaiserliches Dekret der Straßenverlauf über die Zollstelle in Peitz bestätigt. Die Zollstelle in Fehrow wurde geschlossen und nach Cottbus verlegt. Für die Dammzollstraße bestand spätestens ab diesem Zeitpunkt ein Zollstraßenzwang, der auch gegenüber Widerspenstigen mit Gewalt durchgesetzt wurde. Kamen nun die Reisenden oder die Kaufleute am Stadttor an, wurden sie dort einer eingehenden Kontrolle unterzogen. Die Zolleinnehmer hatten dafür Sorge zu tragen, dass alle Waren ordnungsgemäß verzollt und von jedem der jeweilige Damm- und Brückenzoll erhoben wurde. Ein Teil der erhobenen Abgaben wurde zur Unterhaltung der Dammzollstraße und der Brücken verwendet. Somit hatte ab dem 14. Jahrhundert der landesherrliche Souverän eine gesicherte Einnahmequelle. In späteren Jahren wurde diese Einnahmequelle an andere Pächter oder die Stadt selbst verpachtet, die dafür eine entsprechende Pachtgebühr entrichten mussten.

Peitz wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von schweren Feuersbrünsten heimgesucht. So brannte 1557 die gesamte Stadt Peitz inklusive der Kirche ab. 1559 wurden erneut 18 Häuser durch den roten Hahn zerstört. Am 25.02.1610 brach erneut eine große Feuersbrunst aus. Der Hausbesitzer Hans Schilling, der auf seinem Dachboden Malz getrocknet hatte, entzündete dabei mit offenem Feuer seinen Dachboden. Das Feuer griff schnell um sich und vernichtete dabei fast die gesamte Stadt. Nur dem beherzten Eingreifen des Kornschreibers Mathias Wetzmann, der Garnisonsoldaten und einiger Hammerwerksarbeiter war es zu verdanken, dass die gefüllten Korn- und Provianthäuser vor der Zerstörungskraft des Feuers gerettet werden konnten. Wetzmann erhielt als Dank des Kurfürsten ein massives Haus in Peitz, das heute noch am Markt 4 als ältestes Bürgerhaus von Peitz steht. Der Kurfürst schickte einen Baumeister nach Peitz, der den Wiederaufbau der Stadt leitete. Ebenso gab er den Befehl, kostenlos Getreide an die leidende Bevölkerung aus den Magazinen abzugeben.


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© Historischer Verein zu Peitz e.V.     Letzte Änderung 20.05.2012